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Verantwortung, Opferrollen und gesunde Abgrenzung

In beruflichen wie privaten Kontexten begegnen Menschen immer wieder Situationen, in denen Verantwortung nicht klar getragen wird.

Stattdessen werden Ursachen und Schuld überwiegend nach außen verlagert – auf andere Personen, auf Umstände oder auf „das System“.

Für die Beteiligten fühlt sich das oft hilflos an. Für das Umfeld kann es jedoch langfristig sehr belastend werden.

Externalisierung von Verantwortung – was bedeutet das?

In der Psychologie beschreibt der Begriff der Externalisierung von Verantwortung, dass Menschen Ereignisse und Probleme vor allem außerhalb ihres eigenen Einflussbereichs verorten.
Statt Handlungsspielräume wahrzunehmen, entsteht das Erleben von Ohnmacht.

Diese Haltung ist selten bewusst gewählt. Häufig dient sie dem Schutz des Selbstwerts:


Wer sich als Opfer der Umstände erlebt, muss sich nicht mit eigenen Anteilen, Grenzen oder Veränderungsmöglichkeiten auseinandersetzen.

Die Opferrolle als psychisches Muster

Eine dauerhaft verinnerlichte Opferrolle kann dazu führen, dass:

  • Kritik als Angriff erlebt wird

  • Verantwortung konsequent abgewehrt wird

  • Konflikte vermieden oder externalisiert werden

  • Klarheit und Grenzen emotional sanktioniert werden

Langfristig wirkt dieses Muster jedoch nicht stabilisierend, sondern verschärft Konflikte – insbesondere in Beziehungen, Teams und Organisationen.

Wer besonders darunter leidet

Häufig geraten verantwortungsbewusste, engagierte Menschen in diese Dynamiken.
Sie übernehmen Aufgaben, schließen Lücken, vermitteln, halten Systeme am Laufen.

Was zunächst entlastend wirkt, führt oft schleichend zu:

  • Überlastung

  • Frustration

  • Schuldgefühlen

  • Selbstzweifeln

Dabei liegt die Ursache nicht in mangelnder Kompetenz oder Empathie, sondern in unklaren Verantwortungsgrenzen.

Woran man dysfunktionale Dynamiken früh erkennt

Typische Hinweise sind:

  • wiederkehrende Klagen ohne Selbstreflexion

  • unklare oder unverbindliche Absprachen

  • Schuldzuweisungen nach außen

  • Dankbarkeit endet in Anspruch
  • Rückzug oder Schweigen bei Klärungsversuchen

  • das Gefühl, für Stabilität „mittragen“ zu müssen

Je früher diese Muster erkannt werden, desto eher ist gesunde Abgrenzung möglich.

Was aus psychologischer Sicht hilfreich ist

Gesunde Abgrenzung bedeutet nicht Rückzug oder Härte, sondern Klarheit:

  • Verantwortung klar definieren und bei den Zuständigen belassen

  • Übergangslösungen zeitlich begrenzen

  • Engagement freiwillig halten, nicht kompensierend

  • Klar kommunizieren, ohne sich zu rechtfertigen

Und eine zentrale Erkenntnis:


Nicht jede dysfunktionale Dynamik ist individuell lösbar.
Manchmal ist der bewusste Ausstieg die gesündeste Entscheidung.

Abgrenzung ist kein Scheitern

Abgrenzung bedeutet nicht, weniger empathisch oder weniger verantwortungsvoll zu sein.
Im Gegenteil: Sie ist eine Voraussetzung für psychische Gesundheit, Selbstführung und langfristige Stabilität – im Beruf wie im Leben.

Verantwortung endet dort, wo Zuständigkeit beginnt.

Quellen (Auswahl)

  • Rotter, J. B. (1966). Generalized expectancies for internal versus external control of reinforcement.

  • Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control.

  • Lazarus, R. S., & Folkman, S. (1984). Stress, appraisal, and coping.

  • McCullough, M. E. et al. (2003). Victimhood, rumination, and forgiveness.


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